Sonderbericht - Exkursionen

 
 
Exkursionen in der Unterwelt
 
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Am Nordbahnhof
 
Teil 2 - Der S-Bahnhof Potsdamer Platz mit seinen Vorleistungen
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 

Der S-Bf. Potsdamer Platz wurde am 15.4.1939 eröffnet. Seine mittlere Verteilerhalle übertraf alle bis dahin errichteten unterirdischen Verkehrsbauten. Der Bau selber gestaltete sich ausgesprochen kompliziert: Über der Baugrube lag der seinerzeit verkehrsreichste Platz Europas, über den auf Stahlhilfskonstruktionen und Holzbohlen getragen Tag und Nacht Straßenbahnen und Autos fuhren. Südlich der S-Bahnstation mußte ebenso ohne Einschränkungen die U-Bahnlinie A unterfahren werden. Zudem mußte der östliche Bahnsteig unter einem Gebäude errichtet werden. Planungsänderungen wie die Vorbereitung einer U-Bahnlinie F (Alexanderplatz--Kleistpark), für die auf der Tunneldecke die Gleiströge hergestellt wurden, erschwerten die Bauausführung.

Anfangs,1933, plant man den Bahnhof als einfache Durchgangsstation. Nachdem bereits am nördlichen Ende die Bauarbeiten begonnen hatten, gab es Ende1934 die erste Planungsänderung: Die Ringbahn sollte danach nicht mehr im (oberirdischen) Potsdamer Ringbahnhof enden, sondern schon weiter südlich in die bestehende Nordsüd-S-Bahn eingebunden werden, um über Anhalter Bahnhof die Station Potsdamer Platz zu erreichen. Dafür plante man, den Bahnhof mit drei Bahnsteigkanten auszustatten. Dieses hätte allerdings einen sehr ungünstigen Betriebsablauf ergeben. Eine Erweiterung auf vier Gleise -- im Richtungsbetrieb durch einen doppelstöckigen Tunnel geführt -- wollte man zu dieser Zeit wegen der damit verbundenen baulichen Schwierigkeiten nicht ausführen. Zudem behielt sich die Stadt Berlin die Option einer U-Bahnlinie Treptow--Moabit vor, was den Doppelstocktunnel unmöglich machte. Um die Jahreswende 1934/35 kam man auf eine neue Lösung zur Ringbahneinbindung: Die Ringbahn sollte nun als zweigleisige Strecke über Gleisdreieck kommend in den unterirdischen Bahnhof geführt werden.

 
Aus: Verkehrstechnische Woche
Der erste Entwurf als einfache Durchgangsstation
 
Aus: Verkehrstechnische Woche
Der zweite Entwurf beinhaltete drei Bahnsteigkanten
 
Aus: Verkehrstechnische Woche
Der nächste Entwurf mit vier Gleisen und der Vorleistung für die Ringbahneinführung
sowie einem Verbindungstunnel zur U-Bahn
 

So entstand der viergleisige Bahnhof mit zwei Bahnsteigen für den Richtungsbetrieb. Im südlichen Bereich legte man als Bauvorleistung für die Ringbahn drei Tunnelstutzen an, die unterirdisch vor dem Portal des Potsdamer Fernbahnhof endeten (nach 1990 um einige Meter nach Süden verlängert s. u.). Nördlich des Bahnhof entstand eine Kehranlage für die Ringbahnzüge (2 x 2 Vollzüge lang), umgangssprachlich Heuboden genannt. Bei einer späteren Weiterführung Richtung Norden zum Lehrter Bahnhof (heute als S21 im Gespräch) würden die Abstell- zu Streckengleisen. Ein geplanter Verbindungsgang zur U-Bahnlinie A (heute U2) viel einer weiteren geplanten U-Bahn zum Opfer.

 
Aus: Verkehrstechnische Woche
Ein weiterer Entwurf mit der geplanten Ost-West-U-Bahn
 

Nach Zurückstellung der geplanten U-Bahnlinie Neukölln - Moabit sollte eine Ost-West-U-Bahn-Stecke (heute als U3 im Gespräch) über Leipziger / Potsdamer Straße, zusammen mit der dann verlegten U-Bahnlinie A, zwischen Mittel - und Südzugang über den S-Bahnhof geführt werden. Dort wären dann, anstelle des alten U-Bahnhof Leipziger Platz, zwei Richtungsbahnsteige für die U-Bahn entstanden. Vorbereitet wurden in der Decke des S-Bahnhof letztendlich nur die insgesamt 25 m breiten Gleis- und Bahnsteigtröge.

 
Aus: Verkehrstechnische Woche
Der ausgeführte Entwurf ohne den Verbindungstunnel zur U-Bahn
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Der westliche Bahnsteig
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Die Aufgänge zu der großflächig ausgeführten Verteilerhalle
 
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Blick zum östlichen Bahnsteig am Südende
 
Aus Verkehrstechnische Woche
Schnitt durch das Nordende des Bahnhof
 

Die viergleisige Bahnhofsanlage bedingte eine komplizierte Bauweise, unter anderem wegen der Unterfahrung von zwei Gebäuden: Zum einen das Hotel Fürstenhof südlich der Leipziger Straße (unter dem auch der Bahnsteig des U-Bahnhof Potsdamer Platz liegt), das dicht an der Gebäudekante unterfahren wird. Des weiteren das Gebäude des Mitteleuropäischen Reisebüros (M.E.R., später Deutsches Reisebüro) das auf der Nordostseite des Bahnhof stand. Bei beiden Häusern entfernte man die Fundamente und ersetzte sie durch Hilfsfundamente. Danach konnte mit dem Bau der neuen begonnen werden. Der Abstand der Fundamente wurde so gewählt, das zwischen ihnen die Gleisanlagen angeordnet werden konnten. Man legte das Gewicht des Gebäudes auf eine Brücke, die von einer Stützmauer hinter der Tunnelwand und von 9 Stützen, die sich noch heute im Tunnel und in der Mitte im nördlichen Bereichs des östlichen Bahnsteig befinden. Diese Fundamente mußten berührungsfrei von den Bahnanlagen bleiben, damit sich die durch die S-Bahnzüge ausgelösten Erschütterungen nicht auf das darüber liegende Haus auswirkten. Der große Aufwand hatte sich kaum gelohnt: Beide Gebäude wurden im Krieg stark zerstört und wurden später abgerissen.

 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
Die Stützen des M.E.R.-Gebäudes am Nordostende des Bahnhofs haben heute keine tragende Funktion (siehe Bilder oben und unten). Mit der berührungsfreien Umhüllung besitzen sie eine Ausdehnung von 1,60 m x 1,70 m. Wegen ihrer Größe können sie als Werbevitrinen genutzt werden. Unter dem Tunnel ruhen die Stützen je auf einer Fläche von 4,50 m x 4,20 m um die gewaltige Kraft von 7.000 kN auf den Untergrund abzugeben.
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
Die Tunnelanlagen am südlichen Ende
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Blick auf Gleis 2 Richtung Süden
 

Für die geplante Einführung der Ringbahn in den Bahnhof baute man am südlichen Bahnhofsende drei Ausfädelungen mit einer Länge von jeweils 50 bis 70 m. Die beiden westlichen Gleiströge der Ringbahn führen über die Nordsüd-S-Bahn, wofür man unter anderem Blechträgerbrücken einbaute. Die Tunnelstutzen endeten früher vor dem damaligen Fernbahnhof. Die "Germania-Planung" von damals sah sogar eine Verlängerung des Tunnels über Gleisdreieck bis zu einem darin neu geplanten riesigen "Südbahnhof" vor.

Im Deutschen Technikmuseum Berlin (DTMB) kann man im Lokschuppen ein Modell des Bahnhofs Potsdamer Platz aus dem Jahr 1937 besichtigen, das die unterirdischen Brücken und die Tunnelstutzen sowie die Randbebauung gut zeigt.

 
Ausschnitt aus Grafik der Verkehrstechnischen Woche
 
Erkundung des gelb markierten Bereichs
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Das Gleis 3 ist als Stumpfgleis nur von Norden nutzbar. Es endet ...
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
... hier in der Tunnelvorleistung vor einer einer Stahlbrücke über Gleis 2.
 
Hinter dem links erkennbaren Vorsprung überquert der Tunnelstumpf das westlich liegende Gleis 1, hier allerdings als Betonbauwerk. Am Ende des Tunnelstumpfes befindet man sich direkt neben dem U-Bahntunnel der U2 (früher Linie A). Inzwischen wurde der S-Bahn-Tunnelstumpf bei der Errichtung eines darüber befindlichen Gebäudes (zur Zeit von der Gewerkschaft Verdi gemietet) um ca. 30 m Richtung Süden verlängert. Das ist eine Vorleistung für die geplante S21 Richtung Gleisdreieck.
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Blick zurück über die Stahlbrücke, die Gleis 2 überquert, auf das Stumpfgleis.
 
Ausschnitt aus Grafik der Verkehrstechnischen Woche
 
Erkundung des grün markierten Bereichs
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Das Gleis 2 führt in Richtung Anhalter Bahnhof.
An dieser Stelle müßte man eine Weiche einbauen, um die Ringbahn auszufädeln.
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Auch in diesem Tunnelstumpf befindet sich ein Überbau. Er führt über das Gleis 1
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Auch hier befindet sich ein Neubaustück für die angedachte S21 in Verlängerung des alten Tunnelstumpfes. Beide Vorleistungen gehören dem Grundeigner und somit nicht der DB. Sie sind galvanisch vom alten Tunnel getrennt errichtet und jeweils mit einer provisorischen Wand verschlossen worden. Diese neuen Vorleistungen sind je durch eine Tür in der Wand erreichbar.
 
Ausschnitt aus Grafik der Verkehrstechnischen Woche
 
Erkundung des blau markierten Bereichs
war möglich, da zu diesem Zeitpunkt der Streckenabschnitt wegen Bauarbeiten gesperrt war.
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Auf dem an zu diesem Zeitpunkt gesperrten Gleis 2 Richtung Anhalter Bahnhof  ...
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
... setzten wir unsere Besichtigung fort
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Hier trifft das Gleis 1 auf das Gleis 2
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Blick Richtung Anhalter Bahnhof
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Notausstieg an der Köthener Str.
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Die vollständige Gruppe auf den sonst in dichtem Abstand befahrenen Gleisen
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Zurück geht es über Gleis 1
Im Hintergrund kann man an der Tunneldecke die drüberführende U2 erkennen.
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Auch am Gleis 1 gibt es ein Tunnelstutzen
 
Ausschnitt aus Grafik der Verkehrstechnischen Woche
 
Dieser westlichste, orange markierte Tunnelstutzen wurde um 1939 von der Reichsbahn als Luftschutzraum für ca. 350 Leute umgebaut. Den Tunnelstumpf versah man mit einer Zwischendecke, um das Platzangebot zu erhöhen. Er diente für die Reisenden und war vom Gehsteig vor dem Potsdamer Bahnhof über einen Treppenabgang am südlichen Ende zu erreichen.  Der Ausgang am nördlichen Ende in den Gleisbereich diente als Notausgang.

Der Zugang von der Straße ist noch heute an dem ominösen achteckigen Glaskasten zu erkennen. Er führt zu Betriebsräumen in der oberen Etage des Tunnelstumpfes.

 
Grafik: Sammlung www.berliner-verkehrsseiten.de
 
Die Luftschutzanlage um 1939. Blau und orange markieren die Schutzräume, grün den Zugang zur Oberfläche und gelb, die auf dem unteren Foto erkennbare Brücke über Gleis 1
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Die Brücke, die von einem Zugang zwischen Gleis 1 und Gleis 2 zu erreichen ist, ...
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
... führt über Gleis 1 in den oberen Bereich des damals als Luftschutzraum dienenden Tunnelstutzens
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Blick zum Bahnhof den wir durch einen in der Tunnelwand befindlichen Durchgang zum Gleis 2 wieder erreichten.
Damit war dann die Erkundung des S-Bahnhof Potsdamer Platz abgeschlossen.
 
Zu Fuß, und jetzt ohne Warnweste, ging es hinauf an die Oberfläche. Wir beschlossen erst einmal eine kleine Pause zum Informationsaustausch im "Cafe Stresemann" abzuhalten. Danach erfolgte die Besichtigung des
Hängebunker unter der Stresemannstr. und des Straßentunnels im Tiergarten
 

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